Es gibt viele Paradiese zum Motorradfahren in Europa. Aber Sardinien verbindet nicht nur die Freude am Motorrad fahren, denn der Rausch der Kurven hört einfach nicht auf, sondern faszinierende Landschaftsbilder hinterlassen tiefe Eindrücke. Die jahrhundertealten Gassen der Städte und der kleinen Dörfer wirken tiefenentspannend, der karibisch anmutende Strand auf Sardinien tut ein Übriges, und ich verwerfe meine Tourenplanung sofort.
Die freundliche Begrüßung der Menschen lässt einen auf dieser Insel sofort angekommen und sich wohlfühlen. Ich setze mich in den Sand und genieße nur diese einzigartige Schönheit dieser Insel, die nur gut zwei Flugstunden entfernt ist. Ich bin schon sehr viel mit dem Motorrad unterwegs gewesen – Dolomiten, Österreich, Frankreich –, aber Sardinien verbindet alles.

Ich hatte mich entschlossen, nicht auf eigene Achse nach Sardinien zu fahren. Es gibt eine Vielzahl von sehr guten Angeboten, das Motorrad per LKW nach Sardinien zu überführen. Über einen Reiseveranstalter, der sich auf die Überführung der Maschinen über einen Sammeltransport nach Sardinien spezialisiert hat, habe ich mein Motorrad mit Gepäck nach Hagen gebracht. Von dort aus verlief der Transport Nahe des Flughafens in Olbia ganz unkompliziert. Mit dem Flugzeug bin ich separat auf der Insel gelandet. Von einem Transferfahrzeug wurde ich vom Flughafen zum Standort des Motorrades gebracht. Über den Reiseveranstalter gibt es auch die Möglichkeit, mehrere Maschinen aus einem Ort abzuholen, so dass eine Sammelverladung ab Freckenhorst stattfinden könnte.

Die ersten Kilometer entlang der Ostküste sind Genussgleiten – sanfte Hügel breiten sich vor der bepackten GS aus. Es ging über die Landstraße der SS 125 an der Ostküste nach Süden. Bereits nach wenigen Kilometern geht es hoch ins Gebirge. Ein Rausch aus Kurven, ein Rhythmus, der nicht aufhört, der Belag auf der Straße hat einen unbeschreiblichen Grip – all das ruft ein unbeschreibliches Fahrgefühl hervor. Man könnte meinen, man tanzt Walzer auf den Straßen. Ab Orosei, mitten im Gebirge, schlägt das Herz nur noch höher. Spätestens hier wollen die Kurven nicht mehr aufhören. Es geht weiter nach Baunei und der Kurvenwahnsinn bleibt bis Arbatax. Aber nicht nur die Strecke ist wunderbar, auch die Aussichten sind phantastisch.

Fünf Millionen Schafe und unzählige Ziegen tummeln sich in den Bergen und sorgen für den berühmten sardischen Käse. Ich surfe zwei Tage durch diese beeindruckende Bergwelt. Die genialste Straße im Nordosten Sardiniens liegt zwischen Desulo und Fonni. Zahlreiche Schotterwege zweigen ab, von Verbotsschildern keine Spur. Um sie zu erkunden, müsste ein zusätzlicher Urlaub eingereicht und besser auch ein leichteres Motorrad als meine 1200er GS mitgebracht werden. Müsste, könnte – es gibt immer was zu optimieren, aber nicht jetzt. Jetzt genieße ich den Kurvenrausch in vollen Zügen. Anschließend sardischen Käse und dazu einen unglaublich guten Rotwein, der im Gegensatz zum Käse noch keine so große Berühmtheit erlangt hat. Zu Unrecht.

1834 Meter ragt der höchste Berg Sardiniens in den Himmel, der Punta La Marmora! Das verspricht Fahrspaß pur. Cala Gonone, in der Nähe von Dorgali, liegt direkt an der Küste. Dieser Ort ist nur durch einen Tunnel zu erreichen. Nach dem wir diesen durchfahren haben, stürzt die Straße förmlich ins Meer. Die steilen Serpentinen enden direkt am Strand.

Am besten reist es sich auf Sardinien mit dem Motorrad auf jeden Fall im Frühjahr oder Herbst. Im Sommer ist es so heiß, dass es wohl nur wenigen Spaß macht, in der Schutzkleidung durch die Kurven zu fahren. Der Winter ist zwar mild, aber auch niederschlagsreich. Empfehlen kann ich nur noch, sich einen Tag nicht auf das Motorrad zu setzen, sondern mit dem Motorboot zu den nur über das Meer zu erreichenden Buchten zu fahren. Jetzt glaubt man der Aussage, Sardinien sei die Karibik in Europa.
Die letzte Tour ging vom Basishotel Arbatax zurück zum Flughafen nach Olbia noch einmal über die aussichtsreiche SS 125. Die Motorrad-Abgabe und dann der Transfer zum Flughafen liefen wie auf der Anreise ohne Probleme.
Bericht von Wolfgang Kaiter

 

 

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