Wohl jeder von uns hat vor drei Jahren – wenn nicht selbst teilgenommen – so doch zumindest von der „ALS Ice Bucket Challenge“ gehört und das ein oder andere Video gesehen.

Vor allem das soziale Netzwerk Facebook wurde über Monate mit Videos überschwemmt, in denen sich Leute einen Eimer Eiswasser über den Kopf schütteten.
Ursprünglich sollte diese Aktion auf die Nervenkrankheit Amyotrophe LateralSklerose, kurz ALS, aufmerksam machen.
Dabei entwickelte es sich schnell zu einem vermeintlich lustigen Internet-Hype, bei dem Videos über das Schneeballprinzip produziert und verbreitet wurden. Nur noch die wenigsten wussten, worum es dabei wirklich ging.
Zwischen Juni und September 2014 wurden mehr als 17 Millionen Ice Bucket Challenge Videos auf Facebook geteilt, die insgesamt mehr als 10 Milliarden Mal angesehen wurden.

Auch wenn sich das Akronym ALS schnell verbreitete ist davon auszugehen, dass nur die wenigstens die Bedeutung des Kürzels tatsächlich kennen.

Einer, der die Bedeutung sehr wohl kennt, ist Steffen Auerswald. Der 50-jährige Freckenhorster leidet seit Anfang diesen Jahres unter der aggressiven Nervenkrankheit.
Seit der Diagnose ist die Krankheit soweit fortgeschritten, dass er nicht mehr stehen, geschweige denn gehen, kann.
Der linke Arm ist kraftlos, der rechte Arm zieht nach. Steffen sitzt durchgehend im Rollstuhl.

Eine Vorstellung, die für viele Menschen ohnehin schon schwer zu ertragen ist, ist in diesem Fall besonders tragisch. Steffen war sein Leben lang Marathonläufer. Seit 2006 legte er eine Gesamtstrecke von 38.000 km zurück.

Steffen Auerswald Marathon ALSDas ist heute so nicht mehr möglich.

Da ALS das motorische Nervensystem angreift, kann Steffen’s Körper seine Muskeln, und somit seine Bewegungsabläufe, nicht mehr kontrollieren. Die Muskeln bilden sich zurück und zwingen Steffen in den Rollstuhl.
Was für ihn vor wenigen Monaten noch unter Zuhilfenahme eines Rollators zu erledigen war, ist heute nicht mehr möglich. Die Krankheit und der damit verbundene Muskelschwund schreiten schnell und kontinuierlich voran.

Es ist kein Jahr her, dass Steffen Auerswald beim Münster-Marathon mitlief.
Er war regelmäßiger Teilnehmer und konnte insgesamt viele Siege einfahren. In den Jahren 2014 und 2015 gelang es ihm sogar die Sonderwertung „Schnellster Handwerker“ beim Münster-Marathon zu gewinnen. Seine Bestzeit: 2 Stunden und 49 Minuten. Ein Marathon hat eine Gesamtlänge von 42,195 Kilometern.

Steffen’s großes Ziel ist es jetzt noch einmal beim Münster-Marathon mitzumachen.

Er hofft, dass sein Körper bis dahin durchhält.
Seine sportliche Lebensweise und sein ehemaliger Beruf (Zimmerer) helfen ihm dabei.
Irgendwann gebe allerdings auch der stärkste Körper nach. Der Ausfall von Atmung und Schluckreflex sind weitere Folgen. Wenn es soweit ist, muss Steffen ins Krankenhaus.

24 seiner Freunde, allesamt Läufer des Lauftreffs der Warendorfer Sportunion, werden gemeinsam mit Steffen am 10. September zum Münster-Marathon antreten und ihm seinen letzten großen Wunsch erfüllen.
Abwechselnd werden sie Steffen in seinem Rollstuhl schieben, bis sie gemeinsam die Ziellinie überqueren.
Damit wollen sie ein Zeichen setzen. Ein Zeichen gegen eine grausame Krankheit und ein Zeichen für einen Kampf gegen etwas, das momentan noch unheilbar scheint. Sie wollen Betroffenen und Angehörigen Mut machen und über eine Krankheit aufklären, über die die Mehrheit der Bevölkerung viel zu wenig weiß.

Steffen sammelt mit seinem Paypal Account Geld, das er anschließend zu Forschungszwecken an ALS Vereine und Charité Berlin spendet.
Hier geht es zu seinem Paypal Account

Lieber Steffen, wir wünschen Dir viel Spaß beim Münster-Marathon und viel Kraft für die nächste Zeit!

 

Quellen
Ice Bucket Challenge: https://newsroom.fb.com/news/2014/08/the-ice-bucket-challenge-on-facebook/
Text: Steffen Auerswald

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